2011-12-07
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Deutschland | Gewerbeimmobilien: Einzelhandel
Ladenlokale in Bielefeld: Spitzenmieten bereits bei 150 Euro pro Quadratmeter
Bielefeld: Bielefelds Innenstadt ist attraktiver als ihr Ruf. International erfolgreiche Einzelhändler zieht es seit Jahren kontinuierlich in die Bahnhofstraße. Die Spitzenmiete stieg hier um knapp 25 Prozent in zehn Jahren und liegt mittlerweile bei 150 Euro pro Quadratmeter und Monat. Das ist auch Kapitalanlegern nicht entgangen, die zuletzt kräftig in der 1A-Lage investierten, berichtet das auf innerstädtische Einzelhandelsimmobilien spezialisierte Maklerhaus LÜHRMANN in den aktuellen Citynews Bielefeld.
Übrigens, Bielefeld gibt es wirklich. Warum zweifeln bloß so viele Menschen an der Existenz dieser sympathischen Stadt in Ostwestfalen? Die wahrhaftig so genannte Bielefeldverschwörung hat sich zu einem festen Bestandteil der Populärkultur entwickelt. Einst als Witz bierseliger Studenten entstanden, zieht sie mittlerweile weite Kreise. Selbst die Tagesschau widmete dem Phänomen kostbare Sendezeit. Im Bielefelder Rathaus stieß der Jokus indes über viele Jahre hinweg auf gemischte Gefühle. „Soll ich ehrlich sein? Ich hasse es wie die Pest“, unkte die Leiterin des Presseamts vor einigen Jahren in einem Interview. Zu viele Bielefeld-gibt-es-doch-gar-nicht-Zuschriften hatten ihr offensichtlich den letzten Nerv geraubt.
Das ist heute anders. „Wir betrachten das mit sehr viel Humor“, hört man mittlerweile aus Richtung des Bielefeld-Marketings. Man sehe die Verschwörungsgeschichte sogar als Chance zur Vermarktung des gesamten Standorts. Und tatsächlich, den Zahlen nach hat Bielefeld gerade in den letzten Jahren spürbar an Marktdurchdringung und Renommee zugelegt. Gaben im Jahr 2003 noch satte 41 Prozent der Befragten einer repräsentativen Emnid-Umfrage an, Bielefeld nicht einmal vom Hörensagen her zu kennen („Bielefeld? Nie gehört, das gibt’s doch gar nicht!“), war die Stadt sechs Jahre später nur noch einer verschwindend geringen Minderheit von rund drei Prozent gänzlich unbekannt. Der Bekanntheitsgrad Bielefelds erhöhte sich somit von 59 auf fast schon spektakuläre 97 Prozent. Hinzu kommt, dass lediglich sechs Prozent der Teilnehmer den Standort als langweilig, nicht schön, ländlich oder provinziell wahrnahmen. Die weitaus größere Mehrheit verband mit Bielefeld durchweg positive Empfindungen.
Das ist ja auch durchaus verständlich. Die Universitätsstadt ist zweifelsohne eine weltoffene und lebendige Metropole, zwar in der Provinz gelegen, aber gesamtwirtschaftlich gesund und Heimat vieler bekannter Unternehmen von Dr. Oetker bis Seidensticker. Dass davon auch der örtliche Einzelhandel in der 1A-Lage profitiert, steht außer Frage. Durchschnittlich gab jeder Einwohner im letzten Jahr 6.410 Euro im örtlichen Handel aus. Artikel im Gesamtwert von über zwei Milliarden Euro gingen somit 2010 über die Ladentheken. Ansgar Meyer, geschäftsführender Gesellschafter am LÜHRMANN-Standort Osnabrück: Infolgedessen zieht es auch die erfolgreichen Filialunternehmen an den Teutoburger Wald, die Spitzenmiete stieg in der innerstädtischen 1A-Lage um knapp 25 Prozent in zehn Jahren und liegt mittlerweile bei bis zu 150 Euro pro Quadratmeter und Monat.“ Das wiederum lockt auch finanzstarke Investoren nach Ostwestfalen. Der Durchschnittswert der Geschäftshäuser in der 1A-Lage legte im gleichen Zeitraum 30,4 Prozent zu.
Mit bekannten Einzelhändlern wie Peek & Cloppenburg, H&M oder Esprit ist die Bahnhofstraße in Bielefelds Neustadt die beliebteste Einkaufsstraße vor Ort. „Vor allem der Bereich zwischen Zimmerstraße und Jahnplatz misst seit Jahren die höchste Kundenfrequenz. Doch auch die Altstadt legte zuletzt spürbar an Attraktivität zu. Das Einzelhandelsangebot hat sich vergrößert, der Markt wurde zum gastronomischen Zentrum und Teile der Fußgängerzone erhielten ein neues Pflaster. Infolgedessen hat die Niedernstraße ihre Stellung als zweite starke Einkaufslage weiter ausgebaut“, so der Einzelhandelsspezialist Meyer.
Aktuelles
Spätestens im Frühjahr 2013 tauscht der Buchhändler Thalia seinen Standort am Jahnplatz, wechselt von der einen auf die andere Seite und wird dort Nachmieter von Sport Scheck. Der Sportfachhändler hatte bereits vor längerer Zeit mitgeteilt, dass er im Gegenzug Nachmieter von Thalia werde. Die Verkaufsfläche bleibt für das Münchner Unternehmen mit rund 3.200 Quadratmeter etwa gleich. LÜHRMANN begleitete die gesamten Vertragsverhandlungen.
Zuletzt eröffnete Wellensteyn einen Laden in Bielefeld. Der Jackenspezialist aus Norderstedt bei Hamburg bezog im Oktober die rund 340 Quadratmeter umfassenden Räumlichkeiten an der Obernstraße 9. Bislang befand sich hier der Modehändler Elegance.
Schon im Frühjahr zog das skandinavische Bekleidungsunternehmen Bestseller mit dem ersten Jack & Jones/Vero Moda-Store nach Bielefeld. LÜHRMANN vermittelte den Labels rund 900 Quadratmeter Fläche an der Bahnhofstraße 30a, die zuvor vom Bielefelder Schuhhaus Mengedoht genutzt wurden. Kurz darauf eröffnete mit Vila ein weiteres Bestseller-Konzept auf der Bahnhofstraße. Auch dieses Ladenlokal vermittelte LÜHRMANN. Bislang befand sich hier der Geschenkartikelanbieter Nanu Nana, der von der Bahnhofstraße 37 in die Jöllenbecker Straße 3 zog.
Auf der Niedernstraße gab es in der letzten Zeit zwei Veränderungen. Während das zur dänische IC Companys gehörende Modekonzept Jackpot in das bis dahin von Vodafone genutzte Ladenlokal an der Niedernstraße 23-27 zog (LÜHRMANN vermittelte), ersetzte Hilfiger Denim den schwedischen Modelanbieter Marc O’Polo.
dm hat unterdessen eine weitere Bielefelder Filiale eröffnet. In der Herforder Straße 9 (Ecke Stresemannstraße) eröffnete das Unternehmen eine 500 Quadratmeter große Drogerie. Auch diese Fläche vermittelte LÜHRMANN.
Eine Vielzahl von Verkäufen großvolumiger Einzelhandelsimmobilien spiegelt die Attraktivität des Standorts auch bei Investoren wider. So hat 2011 etwa der ECE European Prime Shopping Centre Fund die City-Passage gekauft. Das bislang zum RWI-Fonds der WestLB gehörende innerstädtische Center mit über 40 Läden auf 32.000 Quadratmetern liegt zentral zwischen Stresemannstraße, Bahnhofstraße und Zimmerstraße und verbindet diese Einkaufslagen miteinander. Ankermieter ist die Galeria Kaufhof mit gut 20.000 Quadratmetern.
Und auch der zukünftige Standort von Sport Scheck wurde veräußert. LÜHRMANN vermittelte die Immobilie an die Aachener Grundvermögen Kapitalanlagegesellschaft aus Köln. Der Kaufpreis lag im zweistelligen Millionenbereich.
Die Aachener Grund hat unterdessen erst kürzlich eine weitere prominente Immobilie in Bielefelds Innenstadt erworben. Für das Karstadt-Gebäude mit über 17.000 Quadratmetern an der Bahnhofstraße 15-17 zahlte die Fondsgesellschaft über 40 Millionen Euro an den Vorbesitzer Highstreet. Das Geschäftshaus Niedernstraße 5-7 erwarb hingegen ein Privatinvestor. Hauptmieter der Immobile sind der Modefilialist Peter Hahn und das Wäschehaus Kurt Opitz.
Laufende Projekte
Die bauliche Geschäftigkeit befindet sich derzeit in einer Zwischenphase. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Projekte an der Obern- und Niedernstraße, wartet die Branche derzeit mit Spannung auf weitere Entwicklungen in der Innenstadt. Hinter vorgehaltener Hand wird etwa diskutiert, ob und wie die ECE ihre neu erworbene City-Passage modernisieren wird.
So weit ist es mit der Markpassage an der Bahnhofstraße hingegen noch nicht gediegen. Deren Eigentümer, die Wiesbadener Fondsgesellschaft Secur AG, hatte im Oktober 2010 Insolvenz angemeldet. Im Zuge einer Zahlungsunfähigkeit der dänischen Eik Banki kam es zu akuten Liquiditätsengpässen bei einzelnen Objektgesellschaften, unter anderem auch für die Marktpassage Bielefeld. Nun sucht der Insolvenzverwalter einen Käufer für die Passage mit dem Hauptmieter H&M.
Prognose
Oftmals ist es nicht der direkte Weg, der zum Ziel führt. Vom Rücken durch die Brust ins Auge, das gilt im Leben genauso wie in der Wirtschaft, lehrt zumindest die Bielefelder Verschwörungstheorie. Erst die gerüchteartige Aberkennung der Existenz machte den Standort landesweit bekannt. Ehrlich gesagt, auch ohne erkennbare Absicht ist das ganz großes Marketing, wie hier aus der eigentlichen Schwäche so gekonnt Nutzen gezogen wurde, dass sich der Bekanntheitsgrad am Ende verdoppeln konnte. Und siehe da, auf einmal kennen nicht nur alle Bielefeld, nein, sie mögen es sogar.
Könnte der Bielefelder Einzelhandel eine ähnliche Positionierungsstrategie vertragen? Auch hier regiert das Gefühl, die Stadt verkaufe sich im überregionalen Wettstreit zuweilen unter Wert. Denn nicht nur der Blick auf die einschlägigen Kennziffern und die Spitzenmiete beweist: hier handelt es sich um einen deutschen Top-Standort. „Doch während die Branche unisono Boom-Städte wie Münster, Freiburg oder Nürnberg lobt, bleibt Bielefeld oftmals unerwähnt. Hidden Champion wird so ein Standort auch gerne genannt – bei Investoren und Einzelhändlern sehr beliebt, doch ansonsten häufig unsichtbar. Aber das kennt man ja in Bielefeld und es muss nicht unbedingt schlecht sein“, sagt der LÜHRMANN Geschäftsführer.
Denn auch im Sichtschatten der Konkurrenz entwickelt sich die Innenstadt weiter vorzüglich. Die Nachfrage der Einzelhändler und Investoren bleibt unbeeindruckt hoch und es darf auch in Zukunft von einer positiven Entwicklung ausgegangen werden.
André Stark für Lührmann - 2011-12-07
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