2011-09-30
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Deutschland | Gewerbe-Immobilien-Marktinformationen, Gewerbeimmobilien: Einzelhandel
Ladenflächen Innenstadt Essen: Zwischen Hoffen und Bangen
Essen: Es geht wieder etwas in Essens Innenstadt. Die im Zuge der ECE-Centereröffnung befürchtete, langfristige Abwertung der Bestlage ist nicht eingetreten, Kunden zieht es nach vor in die gesamte Innenstadt. Gleichzeitig stützt der modernisierte Hauptbahnhof den Passantenfluss auf der Kettwiger Straße. Mieten und immobilienwerte folgten daher zuletzt erstmals wieder einem positiven Trend. Es bleibt dennoch abzuwarten, wie sich die Innenstadt in Zukunft entwickelt, darauf weist das auf innerstädtische Einzelhandelsimmobilien spezialisierte Maklerhaus LÜHRMANN in den aktuellen Citynews Essen hin.

Essen liegt nicht nur geografisch im Herzen des Ruhrgebiets, lange Zeit war die Metropole auch Schrittmacher der gesamten deutschen Schwerindustrie und damit so etwas wie Wiege des Reviers. Zwischen den Anfangstagen des Bergbaus im frühen 14. Jahrhundert und der Schließung der Zeche Zollverein im Jahr 1986 sah die Stadt allein an die 1.000 Zechen und Bergewerke. Allen voran die Familie Krupp, deren Firmengelände zeitweilig größer war als das restliche Stadtgebiet, prägte über lange Jahre nachdrücklich die wirtschaftliche Entwicklung Essens. Noch heute taugen die weithin sichtbare Villa Hügel und die opulenten Grabmale auf dem Friedhof Bredeney als Symbole für die einstmalige Macht der Familiendynastie. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte Essen zunächst den Untergang des Krupp-Konzerns klassischen Zuschnitts, nur um im Zuge des fortdauernden Strukturwandels fast die gesamten Montanindustrie zu beerdigen. Doch mit den qualmenden Schloten verschwand auch übler Dreck und Gestank, und mit der sauberen Luft verbesserte sich die gesamte Lebensqualität. Man entdeckte abermals den Erholungswert der noch immer zahlreich vorhandenen Grünflächen und Wasserwege. Gleichzeitig profilierte sich Essen weiterhin als beliebter Standort großer Industrieunternehmen. Mit RWE, Hochtief, ThyssenKrupp oder Evonik haben heutzutage einige der namhaftesten Unternehmen Deutschlands ihre Zentrale innerhalb der Stadtgrenzen. Zu den großen Arbeitgebern gehören zudem die Stammhäuser bekannter Handelsunternehmen wie Aldi (Nord), Deichmann oder Karstadt und auch die Café-Kette Starbucks hat ihren Deutschlandsitz vor Ort.
Achim Weitkamp, geschäftsführender Gesellschafter bei LÜHRMANN in Düsseldorf: „Bis in die Zeiten des deutschen Wirtschaftswunders hinein war Essen überdies eine der erfolgreichsten deutschen Einkaufsstädte und die Innenstadt zumindest im Ruhrgebiet konkurrenzlos. Doch ähnlich der Kohle verlor auch das einstige Einkaufsziel mehr und mehr an Bedeutung. Der Glanz alter Tage schwand zunehmend, bis sich schließlich kaum jemand mehr an die einstmals blühenden Zeiten erinnerte.“
Gleichzeitig rieb man sich im nicht weit entfernten Dortmund die Hände. Je mehr es mit Essen bergab ging, desto besser positionierte sich der dortige Westenhellweg. 2006 zogen Essens Verantwortliche die Reißleine und verabschiedeten den Masterplan Einzelhandel. Man wollte wieder dazugehören zum erlauchten Kreis der im Einzelhandel tonangebenden deutschen Innenstädte. Deutschlands größtes innerstädtisches Center am Limbecker Platz, ein umgebauter Hauptbahnhof sowie die modernisierte Rathaus Galerie sollten den Veränderungsprozess positiv beeinflussen.
„Der ganz große Erfolg blieb bislang leider aus, die mancherorts befürchtete Verödung der historisch gewachsenen Innenstadtlagen allerdings ebenso. Zwar wechselten zunächst einzelne Ankermieter aus der 1A-Lage ins Center, doch zog es gleichzeitig auch wieder neue Unternehmen in die Bestlage, so dass die Umsätze in der traditionsreichen Fußgängerzone nur unwesentlich zurückgingen. Potential ist jedenfalls vorhanden, der absolute Einzelhandelsumsatz am Gesamtstandort lag im Jahr 2010 mit rund 3,5 Milliarden Euro auf einem ordentlichen Niveau“, so Weitkamp weiter.
Kennzeichnend für die Essener Fußgängerzone ist eine klassische T-Struktur zwischen den drei Eckpunkten Limbecker Platz, Rathaus Galerie und Hauptbahnhof. Die höchsten Mieten müssen für Ladenlokale auf der Limbecker Straße aufgebracht werden, wo, je nach Zustand und Ausstattung der Geschäftsfläche, monatlich bis zu 100 Euro für den Quadratmeter fällig sind. Im Gegensatz zur ungewöhnlich schmalen Limbecker Straße bietet die weiträumige Kettwiger Straße durch zahlreiche Cafés und Sitzmöglichkeiten eine auf den ersten Blick angenehmere Einkaufsatmosphäre. Hinsichtlich der Nachfrage und der Mieten liegt die Kettwiger Straße allerdings ein Stück weit hinter der Limbecker Straße. Die Spitzenmiete beträgt 80 Euro pro Quadratmeter, Tendenz jedoch steigend.
Aktuelles
Als der irische Textilhändler Primark im letzten Jahr seine Filiale in Gelsenkirchen eröffnete, knallten auch in Essen die Sektkorken. Das Unternehmen bestätigte seinerzeit erstmalig die kursierenden Gerüchte um eine eigene Niederlassung in Essen. Später wurde bekannt, dass Primark hierfür das ehemalige C&A-Gebäude an der Kettwiger Straße 39 gekauft hat. Noch in diesem November und damit rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft will der populäre Modehändler seinen Megastore mit einer Verkaufsfläche von über 8.000 Quadratmetern eröffnen.
Auch das vornehmlich für seine Strickwaren bekannte Damenmode-Label Stefanel wird im Herbst einen neuen Laden auf der Kettwiger Straße eröffnen. Hierzu mieteten die Italiener eine Einzelhandelsfläche mit rund 200 Quadratmetern Fläche an der Kettwiger Straße 22. Bislang befand sich hier der Schweizer Modeanbieter Tally Weijl. Stefanel betrieb bis vor kurzem noch eine Filiale in dem benachbarten, vor wenigen Wochen verkauften Allianz-Haus am Kettwiger Tor. Neuer Eigentümer des 1957 errichteten Geschäfts- und Bürohauses ist der Hamburger Projektentwickler Achim Griese. Verkäufer sind die Allianz sowie eine kommunale Objektgesellschaft. Griese will die Immobilie sanieren und dabei auch die Einzelhandelsflächenanteile neu definieren.
Im Oktober wird das derzeit hochexpansive Modeunternehmen Cotton On einen seiner ersten Deutschland-Läden in Essen eröffnen. Das Label mietete kürzlich die gut 190 Quadratmeter umfassende ehemalige Mexx-Einzelhandelsfläche in dem Eckhaus an der Kettwiger Straße 47-49. Cotton On ist ein australisches Modeunternehmen mit weltweit mehr als 850 Filialen. Erst im August startete der aus Australien stammende Young Fashion-Filialist seine Europa-Expansion auf dem Berliner Kurfürstendamm, im September folgte eine Dependance auf der Kölner Hohe Straße und im Centro in Oberhausen. Bis zum Jahresende will das Unternehmen insgesamt zehn Läden in Deutschland eröffnen. Laut TextilWirtschaft sind im kommenden Jahr weitere 30 bis 40 Filialen auch mit den Linien Cotton On Kids und Cotton On Body sowie dem Schuhkonzept Rubi Shoes und dem Schreibwarenkonzept Typo geplant.
Auf der Limbecker Straße herrscht im Oktober ebenfalls Premierenstimmung, wenn der Modefilialist LC Waikiki seinen ersten Laden in Deutschland eröffnet. Das aus der Türkei stammende Unternehmen hat sich hierfür den ehemaligen C&A-Standort mit über 1.000 Quadratmeter Gesamtfläche an der Limbecker Straße 75-77 ausgesucht. Wie schon Cotton On, kündigte auch das zur Istanbuler Tema Group gehörende Konzept LC Waikiki an, in Deutschland weiter wachsen zu wollen.
Mit JP 1880 startete dieser Tage zudem das Modeunternehmen Ulla Popken seine neue Männerlinie. Nach dem erfolgreichen Startschuss im Internet zu Beginn des Jahres folgen nun die ersten Läden. In Essen hat Ulla Popken hierfür eine Teilfläche von rund 70 Quadratmetern in dem Geschäftshaus an der Limbecker Straße 12-16 eröffnet. Gleichzeitig entstanden auch Filialen in Düsseldorf, Karlsruhe und München.
Schon im Frühjahr wechselten die Mieter in dem Geschäftshaus an der Limbecker Straße 55-57 (1982 für S.Oliver) und in dem Ladenlokal Limbecker Straße 48-50 (Gina Tricot folgte auf Sisters). Beide Einzelhandelsflächen umfassen jeweils rund 800 Quadratmeter.
Laufende Projekte
Das neue Haus am Dom, Kettwiger Straße 40, befindet sich derzeit in der finalen Bauphase. Im kommenden Frühjahr will Deichmann hier auf 1.200 Quadratmetern seine zweite Filiale in Essens Innenstadt eröffnen. Bauherr des modernen Büro- und Geschäftshauses auf den Grundfesten der ehemaligen Voswinkel-Filiale ist das Bistum Essen, das mit dem Büro der Domschatzkammer ebenfalls in die neuen Räumlichkeiten zieht.
Prognose
Die Nachricht von Primark wurde von vielen Marktteilnehmern als eindeutiges Statement für den Gesamtstandort Essen und speziell für die 1A-Lage Kettwiger Straße gewertet. Und in der Tat, noch vor zwei Jahren hätte ein Großflächenmieter dieses Formats den Standort vermutlich gemieden. Es geht also wieder etwas in Essens Innenstadt. Einzelhandelsspezialist Weitkamp: „Die im Zuge der Centereröffnung befürchtete langfristige Abwertung der gesamten Bestlage ist nicht eingetreten, Kunden zieht es nach vor in die gewachsenen Innenstadtlagen. Gleichzeitig stützt der modernisierte Hauptbahnhof den Passantenfluss auf der Kettwiger Straße.“
Mieten und immobilienwerte folgten daher zuletzt erstmals wieder einem positiven Trend. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie sich die Innenstadt in Zukunft entwickelt. Da die Gefahr der Marktsättigung zumindest in vielen Köpfen noch vorhanden ist, sind einzelne Marktakteure noch immer verunsichert. Zunächst sollte daher von einer stabilen bis leicht positiven Tendenz ausgegangen werden.
André Stark für LÜHRMANN Deutschland - 2011-09-30
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