2009-08-07
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Deutschland | Institution, Wirtschaft, Unternehmen
HRE veröffentlicht Zwischenbericht zum 30. Juni 2009
Deutschland: Das Geschäftsergebnis der HRE war auch im zweiten Quartal des Jahres und damit im gesamten ersten Halbjahr 2009 deutlich von der Krise an den internationalen Kapital-, Finanz- und Immobilienmärkten sowie der äußerst schwierigen Situation des Instituts geprägt: Insgesamt war das Ergebnis vor Steuern im ersten Halbjahr 2009 mit -1,07 Mrd. € deutlich negativ, nach Steuern belief sich das Ergebnis auf rund -1,13 Mrd. €.
Negativ ausgewirkt haben sich signifikante Wertberichtigungen vor allem für Immobilienfinanzierungen, aber teilweise auch für andere Forderungen und Wertpapiere. Auch die Aufwendungen für Liquiditätsunterstützung, die ein Finanzkonsortium und der SoFFin der HRE gewähren, belasteten das operative Ergebnis deutlich.
Ungeachtet dessen hat die HRE wichtige Fortschritte bei der Neuausrichtung des Konzerns gemacht. So hat die HRE durch eine Kapitalerhöhung um 2,96 Mrd. € einen wichtigen Schritt zur Rekapitalisierung getan. Zudem wird mit der Deutsche Pfandbriefbank AG die zukünftige strategische Kernbank de
Konzerns etabliert. Gleichzeitig passt die HRE die Größe der Bank dem neuen Geschäftsmodell an und hat mittlerweile 15 von insgesamt 26 zu schließenden Konzernstandorten geschlossen sowie eine Reduzierung der Mitarbeiterzahl gegenüber November 2008 um rund 300 vereinbart.
Der Vorstandsvorsitzende der Hypo Real Estate Holding AG, Dr. Axel Wieandt, sagte: „Das erste Halbjahr war gekennzeichnet von hohen Wertberichtigungen auf unseren Immobilienkreditbestand. Wir rechnen weiter mit hohen Ergebnisbelastungen, die zu einer anhaltenden Verlustsituation führen werden. Wir gehen aktuell nicht davon aus, dass wir vor 2012 wieder in die Gewinnzone zurückkehren können.“
Konzernentwicklung
Das Ergebnis vor Steuern im ersten Halbjahr 2009 betrug -1,07 Mrd. €, verglichen mit 207 Mio. € im ersten Halbjahr 2008. Die internationalen Rechnungslegungsstandards definieren das erste Halbjahr 2008 als Vergleichsperiode, allerdings war damals die Auswirkung aus den verschlechterten Immobilienmärkten bei weitem nicht in diesem Ausmaß spürbar.
Verglichen mit dem negativen Vorsteuerergebnis im zweiten Halbjahr 2008 von rund -5,58 Mrd. € - davon entfielen rund -2,48 Mrd. € auf Abschreibungen auf Geschäfts- oder Firmenwerte und immaterielle Vermögenswerte der DEPFA BANK plc. - war das erste Halbjahr 2009 weniger stark belastet.
Für das zweite Quartal 2009 weist die HRE ein Konzernergebnis vor Steuern von -664 Mio. Euro aus (Q2/2008: 17 Mio. €). Das Ergebnis nach Steuern betrug -750 Mio. Euro (Q2/2008: 12 Mio. €). Die operativen Erträge summierten sich auf 348 Mio. Euro nach 236 Mio. € im gleichen Vorjahresquartal.
Die Gewinn- und Verlustrechnung im ersten Halbjahr 2009 stellt sich im Detail wie folgt dar:
· Die operativen Erträge lagen mit 268 Mio. € unter dem Niveau der Vergleichsperiode in Höhe von 420 Mio. €. Belastet wurden diese vor allem durch Aufwendungen für Liquiditätsunterstützungen, einschließlich der Garantiezahlungen, die sich im Provisionsüberschuss niederschlagen.
* Der Zinsüberschuss stieg auf 716 Mio. €, nach 603 Mio. € in den ersten sechs Monaten 2008. Der Anstieg ist primär auf hohe Erträge im Geldmarktbereich zurückzuführen: Die Zinssenkungen zu Beginn des Jahres 2009 ermöglichten der HRE, sinkende Refinanzierungsaufwendungen bei konstanten Erträgen der Aktivseite für sich zu nutzen.
* Der Provisionsüberschuss betrug -207 Mio. €, nach 69 Mio. € im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Der Rückgang ist primär auf Aufwendungen in Höhe von -257 Mio. € für die Garantien im Zusammenhang mit den Liquiditätsunterstützungen des SoFFin und des Bundes zurückzuführen. Darüber hinaus wirkten sich das im Vergleich zum Vorjahr deutlich niedrigere Neugeschäft und niedrigere Erträge aus Capital Markets & Asset Management
aus.
Das Handelsergebnis war wie im Vorjahr von der schwierigen Situation an den Finanzmärkten beeinflusst. Der Verlust reduzierte sich auf -27 Mio. €, nach -86 Mio. € im ersten Halbjahr 2008. Hier wirkt sich das Bewertungsergebnis auf synthetische Collateralised Debt Obligations (CDOs) aus, das im ersten Halbjahr 2009 -25 Mio. € betrug, aber im Vergleichshalbjahr noch bei -106 Mio. € gelegen hatte.
o Das Finanzanlageergebnis war wegen Wertberichtigungen auf Wertpapiere negativ bei -44 Mio. €; allerdings liegt dieser Wert deutlich über dem negativen Finanzanlageergebnis für das 1. Halbjahr 2008 (H1/ 2008: -164 Mio. €). Bei den Wertberichtigungen entfielen -13 Mio. € auf Cash CDOs (H1/2008: -214 Mio. €) und -22 Mio. € auf Mortgage Backed Securities (H1/2008: -3 Mio. €).
* Das Ergebnis aus Sicherungszusammenhängen belief sich auf -107 Mio. € und lag damit unter dem Vorjahreswert von -4 Mio. €. Hier wirkten sich zwei Effekte aus. Zum einen resultierte aus Hedge-Ineffizienzen ein Aufwand von -84 Mio. € (H1/2008: 8 Mio. €); dieser Aufwand ist überwiegend ein Umkehreffekt aus den korrespondierenden Erträgen im vierten Quartal 2008. Zum anderen ergab sich ein höheres negatives Bewertungsergebnis von -23 Mio. € (H1/2008: -12 Mio. €) aus „designated at Fair Value through Profit or Loss (dFVTPL)-Vermögenswerten“ und dazugehörigen Derivaten. Die beizulegenden Zeitwerte dieser auf Zinsrisiken gesicherten Positionen haben sich aufgrund von Credit-Spread- eränderungen verschlechtert.
* Der Saldo aus sonstigen betrieblichen Erträgen/Aufwendungen stieg auf -63 Mio. € (H1/2008: 2 Mio. €) und resultiert überwiegend aus Effekten aus der Währungsumrechnung (insbesondere US-Dollar) in Höhe von -67 Mio. € (H1/2008: 0 Mio. €).
· Die Zuführungen zur Kreditrisikovorsorge stiegen als Folge der deutlichen Eintrübung der weltweiten Konjunktur und der verschlechterten Situation auf den gewerblichen Immobilienmärkten auf rund 1,08 Mrd. € (H1/ 2008: 70 Mio. €). Diese Wertberichtigungen betrafen mit rund -1,05 Mrd. € vor allem Immobilienkredite und in geringerem Umfang mit -29 Mio. € Infrastruktur- und Public Sector-Finanzierungen. Der starke Anstieg der Kreditrisikovorsorge für Immobilienfinanzierungen wurde verursacht durch die sich weiter verschlechterten regionalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen insbesondere in den seit einiger Zeit als kritisch identifizierten Märkten Nordamerika, Südeuropa und Großbritannien, aber auch in einigen Segmenten in Deutschland. Die Kreditrisikovorsorge wirkte sich insbesondere bei der Deutsche Pfandbriefbank aus.
Daher wurde eine Beteiligungswertabschreibung auf den HGB-Buchwert zum 30. Juni 2009 in Höhe von rund 0,5 Mrd. € vorgenommen. Diese Abschreibung wirkt sich ausschließlich im HGB Einzelabschluss der HRE Holding aus.
· Dagegen verringerte sich der Verwaltungsaufwand auf 251 Mio. €, nach 305 Mio. € im ersten Halbjahr 2008. Hier wirkt sich ein geringerer Personalbestand durch die Kapazitätsanpassung im Konzern aus, der zu niedrigerem Personalaufwand führt. Insgesamt beschäftigte der Konzern per 30. Juni 2009 1.582 Mitarbeiter, nach 1.786 Mitarbeiter per 31. Dezember 2008. Darüber hinaus enthielt der Personalaufwand des ersten Halbjahres 2008 noch abgegrenzte Verbindlichkeiten für variable Vergütungen, die im zweiten Halbjahr 2008 aufgelöst wurden. Die Cost-Income-Ratio, also das Verhältnis von Verwaltungsaufwand und operativen Erträgen, verschlechterte sich auf 93,7 % (H1/2008: 72,6 %), da die operativen Erträge anteilig stärker zurückgingen als der Verwaltungsaufwand.
· Der Saldo übrige Erträge/Aufwendungen in Höhe von -10 Mio. € (H1/2008: 162 Mio. €) ergibt sich aus der Anpassung der Restrukturierungsrückstellung an Entwicklungen im ersten Halbjahr 2009, etwa weil einzelne Standorte früher geschlossen werden konnten als ursprünglich geplant.
· Das Ergebnis vor Steuern war im ersten Halbjahr 2009 mit -1,07 Mrd. € negativ (H1/2008: 207 Mio. €).
· Das Ergebnis nach Steuern belief sich im abgelaufenen Halbjahr auf rund -1,13 Mrd. € (H1/2008: 160 Mio. €).
Neugeschäft in den Segmenten
In der Immobilienfinanzierung hat die HRE bedingt durch die schwierige Situation des Konzerns nur sehr selektiv und fast nur mit Bestandskunden Neugeschäft abgeschlossen. Insgesamt belief sich hier das Neugeschäft auf 1,0 Mrd. € (H1/2008: 5,7 Mrd. €). Das Neugeschäft im Public-Sector-Geschäft belief sich auf 0,2 Mrd. € nach 26,4 Mrd. € im Vergleichshalbjahr.
Infrastrukturfinanzierungen werden, wie angekündigt, nicht mehr abgeschlossen, da sie nicht mehr zu dem neuen Geschäftsmodell der Gesellschaft passen.
Vermögens- und Kapitalkennzahlen per 30. Juni 2009
· Die Bilanzsumme der HRE reduzierte sich zum 30. Juni 2009 um rund 8 % auf 386,4 Mrd. € (31. Dezember 2008: 419,7 Mrd. €). Der deutliche Rückgang resultierte aus zwei Effekten:
* Zum einen wurden Portfolien reduziert, da Rückzahlungen das Neugeschäft und die Ziehungen von Altzusagen überstiegen.
* Zum anderen verringerten sich Bilanzbestände aufgrund von Wechselkurseffekten und niedrigerer Marktwerte für Derivate.
· Das Kreditvolumen, das die Forderungen an Kunden und Kreditinstitute exklusive der Geldanlagen sowie die Eventualverbindlichkeiten umfasst, sank per 30. Juni 2009 auf 248,7 Mrd. € von 267,3 Mrd. € zum Jahresende 2008.
· Das bilanzielle Eigenkapital (ohne Neubewertungsrücklage) stieg zum 30. Juni 2009 auf 5,5 Mrd. € (31. Dezember 2008: 2,6 Mrd. €). Im Zuge der Rekapitalisierung der HRE durch den SoFFin hat sich das gezeichnete Kapital im ersten Halbjahr 2009 um 3,02 Mrd. € erhöht. Zudem sind seit dem ersten Quartal 2009 bestimmte Hybrid-Emissionen der DEPFA Bank plc gemäß IAS 32.16 als Eigenkapitalinstrumente zu bilanzieren.
Dementsprechend war der Buchwert dieser hybriden Kapitalinstrumente in Höhe von rund 1,04 Mrd. € von den Nachrangverbindlichkeiten in das Eigenkapital umzugliedern.
Inklusive Neubewertungsrücklage betrug das bilanzielle Eigenkapital zum 30. Juni 2009 rund 2,3 Mrd. € (31. Dezember 2008: -1,5 Mrd. €). Die Neubewertungsrücklage betrug per 30. Juni 2009 rund -3,3 Mrd. € (31. Dezember 2008: -4,1 Mrd. €).
* Dabei änderte sich die AfS-Rücklage zum 30. Juni 2009 marktbedingt auf -2,6 Mrd. €, verglichen mit -3,1 Mrd. € zum 31. Dezember 2008. Diese positive Entwicklung resultierte zum einen aus Credit-Spread-Verbesserungen. Darüber hinaus erhöhte sich die AfS-Rücklage aufgrund der Wertberichtigungen auf Wertpapiere und der Amortisierung von im Geschäftsjahr 2008 umgewidmeten Beständen (gemäß der im Oktober 2008 vom IASB verabschiedeten und von der EU anerkannten IAS-39- Änderung „Umgliederung finanzieller Vermögenswerte“). Die HRE hatte rückwirkend zum 1. Juli 2008 Vermögenswerte der Kategorie Available for Sale mit einem Buchwert von 76,1 Mrd. € in die Kategorie Loans and Receivables umkategorisiert. Ohne diese Umwidmung hätte sich die AfS-Rücklage nach Steuern im ersten Halbjahr 2009 um 2,0 Mrd. € verbessert. Inklusive der Effekte aus dem Jahr 2008 wäre die AfS-Rücklage nach Steuern ohne diese Umwidmung um insgesamt -5,1 Mrd. € geringer gewesen.
* Die Cashflow-Hedge-Rücklage belief sich auf -0,7 Mrd. €, nach -1,0 Mrd. € zum Vorjahresende. Die Veränderung resultierte vor allem aus dem im ersten Halbjahr 2009 gesunkenen Zinsniveau.
Bankaufsichtsrechtliche Kennzahlen
Das bankenaufsichtsrechtliche Kapital gemäß Solvabilitätsordnung (SolvV) belief sich am 30. Juni 2009 auf rund 7,47 Mrd. €. Am 31. Dezember 2008 lagen die Eigenmittel pro forma nach festgestellten Jahresabschlüssen 2008 und nach erfolgter Ergebnisverwendung 2008 bei rund 5,0 Mrd. €. Zum 30. Juni 2009 beziehungsweise zum 31. Dezember 2008 ergaben sich somit folgende Kapitalquoten:
· Die Kernkapitalquote (inklusive gewichteter Adressausfallrisikopositionen sowie der Anrechnungsbeträge für Marktrisikopositionen und operationelle Risiken, skaliert mit dem Faktor 12,5) betrug zum 30. Juni 2009 6,9%. Pro forma und nach festgestellten Jahresabschlüssen 2008 und nach Erfolgter Ergebnisverwendung 2008 lag die Kernkapitalquote am 31. Dezember 2008 bei 3,4 %.
· Die Eigenmittelquote (inklusive gewichteter Adressausfallrisikopositionen sowie der Anrechnungsbeträge für Marktrisikopositionen und operationelle Risiken, skaliert mit dem Faktor 12,5) lag zum 30. Juni 2009 bei 9,5 %. Pro forma und nach festgestellten Jahresabschlüssen 2008 und nach erfolgter Ergebnisverwendung 2008 betrug der vergleichbare Wert am 31. Dezember 2008 5,7%.
Gudrun-Martina Lauer für Hypo Real Estate - 2009-08-07
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