2009-03-12
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Deutschland | Gewerbe-Immobilien-Marktinformationen
Frank Meyer, Beigeordneter der Stadt Wuppertal für Stadtentwicklung, Städtebau und Umwelt
Wuppertal: Seit der Wahl am 10.03.2008 ist ein Jahr vergangen. Nach dem Amtsantritt zum 01.09.2008 sind 6 Monate ins Land gegangen.

Wuppertal
Frank Meyer wurde in Aachen geboren und studierte dort Architektur im Studienschwerpunkt Städtebau an der Technischen Hochschule. Der Diplomingenieur arbeitete zuerst als wissenschaftlicher Angestellter an der RWTH Aachen, hatte dann einen Lehrauftrag und sammelte berufliche Erfahrungen in Architektur- und Planungsbüros. Es folgten zwei Jahre beim Ministerium für Stadtentwicklung Kultur und Sport des Landes NRW und fünf Jahre im Stadtplanungsamt der Stadt Ulm. Von 2001 bis 2008 leitete Herr Meyer bei der Stadt Braunschweig den Fachbereich Stadtplanung und Umweltschutz und war Stellvertreter des dortigen Bau- und Umweltschutzdezernenten.
Nach einem Jahr gedanklicher Auseinandersetzung mit dem Standort Wuppertal und nach sechs Monaten aktiver Steuerung ist es Zeit für ein erstes Fazit.
Herr Meyer, was verbinden Sie mit Wuppertal?
Frank Meyer: Seitdem ich mich intensiv mit Wuppertal beschäftige – und dieser Prozess hat weit vor der eigentlichen Wahl stattgefunden – empfinde ich diese Stadt mit ihrer langen industriellen Geschichte und mit ihrer einzigartigen Topografie als sehr spannend. Schon die ersten Gespräche haben gezeigt und dies hat sich kontinuierlich verstärkt, dass die Stadt und ihre Menschen sehr zuverlässig, ausdauernd und praktisch sind und das ergänzt um die notwendige Note an Tüftlergeist und Entwicklungsinteresse. Diese Kombination an Attributen passt gut zu meiner Lebensphilosophie und von daher bin ich mit viel Freude vor sechs Monaten angetreten.
Und Ihre Eindrücke haben sich gefestigt?
Frank Meyer: Auf jeden Fall. Ich habe in dieser Stadt angenehm viele Kolleginnen und Kollegen, die mit aufgekrempelten Ärmeln sehr engagiert arbeiten, trotz mitunter sehr begrenzter Ressourcen. Und dies betrifft nicht nur die Verwaltung, sondern auch die wichtigen Mitstreiter bei der Wirtschaftsförderung, beim Stadtmarketing sowie in der Bergischen Entwicklungsagentur.
Worin sehen Sie Ihre Hauptaufgabe?
Frank Meyer: Dankeswerterweise sind Städte sehr individuell, von daher gibt es natürlich keine Patentrezepte für Stadtentwicklung. Meine Aufgabe lag und liegt zunächst schwerpunktmäßig in der Synchronisation aller Aktionen im Sinne der Kräftebündelung und Fokussierung auf bestimmte Ziele. Dies betrifft zum einen die Mitarbeiter in meinem neu zusammengeführten Zuständigkeitsbereich; hier die unterschiedlichen und individuellen Stärken zu erkennen und dann über Projektteams etc. zu bündeln, ist die Grundlage unseres gemeinsamen Erfolges. Darüber hinaus gilt es, die zahlreichen Mitstreiter für den Standort Wuppertal in der gemeinsamen Arbeit zu synchronisieren bzw. in Form von „Leitplanken“ entsprechende Korridore für das jeweilige Engagement zu definieren. Ein Beispiel: in der Elberfelder Innenstadt entsteht gerade die erste auf den Einzelhandel bezogene „Immobilien- und Standortgemeinschaft“ (ISG) in Wuppertal. Da ist es erforderlich, das vorbildliche private Engagement aus der Mitte der Einzelhändlerschaft soweit irgend möglich zu unterstützen, aber auch planerische Rahmenbedingungen zu benennen, damit die Arbeit schlussendlich auch von Erfolg gekrönt ist und nicht ins Leere läuft. Und last but not least ist es immer wieder eine wichtige Aufgabe auch die Schnittstelle zu Investoren und Projektentwicklern als eine Art „Übersetzungsbüro“ zu besetzen und so Verwaltungsnotwendigkeiten und Verwaltungssprache mit den zeitlichen und inhaltlichen Bedürfnissen der Unternehmen abzustimmen.
Sind Sie in den ersten sechs Monaten hier gut vorangekommen?
Frank Meyer: Die noch deutlichere Umstellung auf projektbezogenes Arbeiten in entsprechenden interdisziplinären Teams ist auf einem guten Weg und wird weiter ausgebaut. Die Fokussierung, gesetzte Projekte gemeinsam zur Umsetzungsreife zu bringen, funktioniert und in der Lotsenfunktion von Wirtschaftsförderung und Stadtverwaltung für Investoren bekommen wir an vielen Stellen sehr gute Noten.
Zusätzlich darf nicht unerwähnt bleiben, dass die enorme Begeisterung von vielen ehrenamtlich Engagierten für Projekte und die gemeinsame Weiterentwicklung des Wirtschafts- und Immobilienstandortes Wuppertal uns an vielen Stellen sehr positiv unterstützt und wir auf diese Weise – trotz teilweiser Einschränkungen durch die angespannte Haushaltslage – noch viel bewegen können.
Wo geht aus Ihrer Sicht gerade die Reise hin? Was ist zum Beispiel eine Besonderheit von Wuppertal?
Frank Meyer: Mir ist es sehr wichtig, dass Wuppertal noch selbstbewusster und offensiver mit seinen Pfunden wuchert. Beispielsweise die in einer Vielzahl erhaltenen Gründerzeitquartiere sind ein sehr positives Alleinstellungsmerkmal. Erst heute erkennt man detailliert, welche Flexibilität die Wohnformen in diesen Gründerzeitquartieren bieten und welche Wohnqualität hier mit einigen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen zu erzielen ist. Allein die herausragenden Möglichkeiten zur Verbindung von Arbeit und Wohnen in solchen Quartieren sind eine bedeutende Chance für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Auch die im Durchschnitt größeren Freiflächenangebote innerhalb solcher gewachsenen Strukturen bieten eine besondere Chance.
Wir haben hier gemeinsam die Aufgabe – ganz im Sinne des demografischen Wandels – eine offene und differenzierte Angebotspolitik im Wohnbereich weiter auszubauen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten in unserer Stadt Wuppertal, dank der eigenen Geschichte dieser Stadt, demografiefesten Wohnungsbau zu entwickeln und umzusetzen und hierauf aufbauend gut gemischte Stadtquartiere mit einer perfekten Infrastruktur aufzubauen.
Und das heißt für Ihre Aufgabe?
Frank Meyer: Wir sind sehr aktiv dabei, beispielsweise über den Masterplan Wohnen eine ausgezeichnete Datengrundlage für den Wohnungsmarkt Wuppertal zu erarbeiten und parallel dazu die Marktteilnehmer zu motivieren, ihr Problembewusstsein zu schärfen und ihnen Wege aufzuzeigen, wie zukünftige Investitionen sich deutlich positiv aus dem typischen Standardangebot herauskristallisieren können.
Was ist Ihnen sonst noch wichtig?
Frank Meyer: Darüber hinaus arbeiten wir sehr aktiv gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung daran, die Stärken des Gewerbestandortes Wuppertal auch mit seinen ausgeprägten Kompetenzen im Bereich unternehmensnahe Forschung und Entwicklung auszubauen. Hier sind wir beispielsweise mit der aktuellen Umsetzung von großen Revitalisierungsmaßnahmen – z. B. eines Kasernengeländes und eines Rangierbahnhofes – in einer sehr entscheidenden Phase.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Frank Meyer: Ich freue mich, wenn wir weiterhin gemeinsam als Team der Standortverantwortlichen - und gut begleitet von einer starken politischen Mehrheit - engagiert die Stadt weiterentwickeln. Wir signalisieren deutlich nach außen, dass wir für jeden Standortinteressierten gerne Zeit für ein persönliches Gespräch investieren und so viele Investoren und Projektentwickler mit auf die Reise nehmen wollen, den „rohen Diamanten Wuppertal“ weiter zu schleifen.
Vielen Dank für das Gespräch.
Sven Macdonald für Wirtschaftsförderung Wuppertal AöR - 2009-03-12
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