Gewerbeimmobilien

Experten-Exklusiv

Morten Hahn zum Gewerbeimmobilienmarkt: Positive Wirtschaftsstimmung in Deutschland

Immopro24 sprach mit Morten Hahn, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Dr. Lübke GmbH, über Trends und Perspektiven auf dem europäischen Gewerbeimmobilienmarkt. Das Interesse in- und ausländischer Investoren am deutschen Gewerbeimmobilienmarkt nimmt nach einer lang anhaltenden Skepsis nun wieder merklich zu. Und auch die Prognosen für die Zukunft sehen gut aus.

1. Erläutern Sie bitte kurz die Schwerpunkte der Arbeit von Dr. Lübke.

Morten Hahn: Wir sind ein bundesweit tätiges Makler- und Beratungsunternehmen und betreuen von sechs Standorten aus Kunden in ganz Deutschland. Unsere Schwerpunkte liegen zum einen in der Vermittlung von Gewerbeimmobilien und Immobilieninvestments. Zum anderen sind wir im Bereich Research & Consulting tätig und begleiten Kommunen sowie Investoren aus aller Welt bei Immobilientransaktionen. Im vergangenen Jahr haben wir z.B. Dresden und das Land Hessen bei der Veräußerung ihrer Immobilienbestände unterstützt.

2. Welche Marktsegmente profitieren am meisten vom wirtschaftlichen Aufschwung und wo sehen Sie die Gründe für diese Entwicklung?

Morten Hahn: Zur Zeit profitiert der gesamte Immobilienmarkt von der allgemeinen positiven Wirtschaftsstimmung in Deutschland – wenn auch z.T. mit zeitlicher Verzögerung.

Während der Investmentbereich dank ausländischer Akteure bereits seit einiger Zeit boomt, geht es auf dem gewerblichen Mietmarkt langsamer aufwärts. Nach einer langen Phase der Zurückhaltung sind Firmen wieder bereit, in ein neues, oft größeres Büro in repräsentativer Lage mit gehobener Ausstattung zu investieren.

3. Als Mitglied des weltweiten Maklerverbundes Oncor erleben Sie die Internationalisierung aus erster Hand. Welche mittel- und langfristigen Trends sehen Sie?

Morten Hahn: Durch die Globalisierung werden Kunden internationaler. Viele einst „urdeutsche“ Unternehmen haben Filialen und Niederlassungen in anderen Ländern eröffnet. Gleichzeitig entdecken auch immer mehr ausländische Investoren den deutschen Markt für sich. Unsere Trendanalyse 2006 „Die Strategien der Immobilieninvestoren in Deutschland“ belegt dies. Danach haben rund 40 Prozent der internationalen Investoren den größten Teil ihres Immobilienanlagekapitals in Deutschland investiert. Diese Zahl zeigt, wie wichtig es als Makler ist, seinen Kunden Leistungen auch über Ländergrenzen hinweg anzubieten – und das in vertrauter Qualität.

Bei Immobilienunternehmen, die keine eigene Präsenz im Ausland haben, wird sich deshalb der Trend durchsetzen, ein international starkes Netzwerk aufzubauen. Wir selbst sind Mitglied des internationalen Maklerverbundes Oncor International und haben dadurch Zugang zu 220 Schlüsselmärkten und dem entsprechenden Markt Know-how.

4. Welche nationalen und internationalen Gruppen investieren derzeit in den deutschen Gewerbeimmobilienmarkt? Wer sucht wen?

Morten Hahn: Starke Nachfrage kommt weiterhin von Opportunity Fonds. Und auch das Interesse von offenen und geschlossenen Immobilienfonds wächst stetig. Hingegen ziehen sich Versicherungen und Pensionskassen immer mehr vom Markt zurück. Sie besitzen bereits sehr viele deutsche Objekte und müssen nun einen Teil davon durch Immobilien im Ausland ersetzen, um ihre Risiken im Zuge der Globalisierung zu diversifizieren.

Ich gehe davon aus, das dass Interesse ausländischer Investoren an Deutschland auch in der nächsten Zeit weiter anhalten wird. Im Gegensatz dazu reduzieren nationale Akteure zusehends ihre Aktivitäten am heimischen Markt.

5. Welche Strategien verfolgen ausländische Investoren bei der Expansion auf den deutschen Markt?

Morten Hahn: Ausländische Investoren konnten bisher günstig deutsche Immobilien erwerben, da diese aufgrund der schwachen Wirtschaft unterbewertet waren.

Bei vielen von ihnen ist absehbar, dass sie ihre deutschen Objekte in naher Zukunft weiterverkaufen werden mit dem Ziel, eine zweistellige Rendite zu erzielen. Der andere Teil ist daran interessiert, ihre Immobilien in Deutschland langfristig zu halten und damit eine nachhaltig gute Rendite zu erwirtschaften. Vielen dieser Unternehmen sind auch bereit, mit den Mietern sogenannte „Sozial Chartas“ zu vereinbaren. Diese gehen oftmals wesentlich weiter als die geltenden Schutzbestimmungen des BGB.

6. Welche Hürden sehen sich mittelständische Immobilienunternehmen bei Ihrem Schritt in Europa gegenüber – bzw. welchen Einfluss spielt dabei die Unternehmensgröße?

Morten Hahn: Eine große Schwierigkeit beim Eintritt in einen neuen Markt besteht darin, Zugang zu detaillierten Marktinformationen zu bekommen. Gerade Mittelständlern fehlen dazu häufig die entsprechenden Ressourcen. Deshalb benötigen kleine und mittlere Unternehmen einen Partner, der über diese Spezialkenntnisse verfügt und auf den 100 Prozent Verlass ist.

7. Wie schätzen Sie die Notwendigkeit eines aktiven Netzwerkes wie Immopro24 für nationale Marktteilnehmer ein:?

Morten Hahn: Persönliche Kontakte und ein weitverzweigtes Netzwerk sind in der Immobilienbranche nach wie vor der Schlüssel zum Erfolg. Ich halte es deshalb für sinnvoll, dass mit Immopro24 ein weiteres Onlineportal geschaffen wurde, das seinen Teilnehmern die Möglichkeit bietet, gezielt branchenspezifische Kontakte aufzubauen und Informationen auszutauschen.

Morten Hahn - geschäftsführender Gesellschafter - Dr. Lübke GmbH

Morten Hahn
geschäftsführender Gesellschafter
Dr. Lübke GmbH

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