Gewerbeimmobilien

Experten-Exklusiv

Auftragseingänge bei Energieausweisen für Gewerbeimmobilien steigen deutlich an.

Experteninterview mit Herrn Peter Ruwe, CSO ista Deutschland

Immopro24:
Stellen Sie bitte kurz Ihr Unternehmen vor!

Peter Ruwe:
ista ist das weltweit führende Unternehmen für die verbrauchsgerechte Erfassung und Abrechnung von Energie, Wasser und Hausnebenkosten. Die Wurzeln des Unternehmens gehen bis in das Jahr 1902 zurück. Unsere Dienstleistungen reichen von der Lieferung und Installation von Messgeräten über die Verbrauchserfassung bis hin zur verbrauchsabhängigen Abrechnung. Natürlich gehört auch das Erstellen von Energieausweisen zu unseren Dienstleistungen. Wir beschäftigen mehr als 4.500 Mitarbeiter und sind in 26 Ländern Europas, Amerikas und Asiens tätig. Insgesamt betreuen wir mehr als 11 Mio. Nutzeinheiten (Wohnungen und Gewerbeimmobilien) und betreiben rund 42 Mio. Messgeräte. Unser Umsatz im Jahr 2007 belief sich auf 628 Mio. Euro.


Immopro24:
Was unterscheidet Ihr Unternehmen von den Mitbewerbern am deutschen Markt?

Peter Ruwe:
Ein komplexer werdendes Marktumfeld stellt auch die Immobilienwirtschaft vor immer größere Herausforderungen. Eine davon ist die energie- und prozesseffiziente Bewirtschaftung der Bestände. Wir sind ein Energiedienstleistungsunternehmen, das sich nicht nur um die jährliche Heizkostenabrechnung unserer Kunden kümmert. Bei ista erhalten Kunden Konzepte und Lösungen, die nachhaltig zur Reduzierung der Energie- und Prozesskosten beitragen.
Ein gutes Beispiel hierfür ist unser bidirektionales Funksystems symphonic sensor net, das 2008 den Innovationspreis der renommierten Technologie-Initiative M2M Alliance gewonnen hat. Die per Funk laufend übermittelten Verbrauchsdaten bilden damit die Grundlage für das ista Energiedatenmanagement. Damit können Einsparpotenziale der Immobilie erkannt und realisiert werden. Bis zu 30 Prozent der Energiekosten können mit einem leistungsfähigen Energiedatenmanagement eingespart werden.


Immopro24:
Welche Kompetenz hat ista im Bereich der Gewerbeimmobilien?

Peter Ruwe:
In Deutschland wird die verursachungsgerechte Heizkostenabrechnung für Wohnungen durch die Heizkostenverordnung rechtlich vorgeschrieben. Daher sind wir schwerpunktmäßig im Wohnimmobiliensektor tätig. Da sich durch den bewussten Umgang mit Energie nachweislich 15 Prozent einsparen lassen, kommt das Verursacherprinzip aber auch sehr häufig bei gewerblich genutzten Gebäuden zum Ansatz. Wir rechnen z.B. viele Bürokomplexe ab, erstellen verbrauchsgerechte Kostenstellenabrechnungen für Industrieunternehmen oder verkaufen unsere Qualitätsprodukte an Eigentümer von Gewerbeanlagen.


Immopro24:
Wann hat ista Deutschland entschieden im Markt der Energieausweise tätig zu werden und was waren die wesentlichen Entscheidungsfaktoren für dieses neue Geschäftssegment in Ihrem Hause?

Peter Ruwe:
Seit Erlass der EU-Gebäuderichtlinie Anfang 2003 hat sich ista sehr intensiv mit dem Thema Energieausweis auseinandergesetzt. Zusammen mit der Immobilienwirtschaft haben wir uns für die Einführung von verbrauchsorientierten Energiepässen stark gemacht, um eine kostengünstige Erstindikation des energetischen Zustandes von Gebäuden zu gewährleisten. Da wir bereits durch die jährlich zu erstellende Heizkostenabrechnung über das maßgebliche Datenmaterial für den Energieausweis verfügen, war ein Engagement in diesem Bereich nahe liegend.


Immopro24:
Wie viel Anteil am Dienstleistungsgeschäft hat dieses Segment mittlerweile bei ista Deutschland und welche Entwicklung erwarten Sie?

Peter Ruwe:
Im Jahr 2008 hat der Energieausweis einen Anteil von ca. 4 Prozent am Dienstleistungsumsatz ausgemacht. Durch Beginn der Ausweispflicht am 1. Juli 2008 und dem Ende der Wahlfreiheit bei Wohngebäuden zum Oktober letzten Jahres mussten wir eine sehr große Nachfragewelle bewältigen. Wir spüren, dass die Anfragen zum Energieausweis für Wohngebäude nun abnehmen. Umgekehrt verhält es sich bei Nichtwohngebäuden: Ab Mitte 2009 wird die Ausweispflicht auch auf Gewerbeimmobilien ausgeweitet. Daher steigen die Auftragseingänge nun in diesem Bereich deutlich an. Wir sind darauf bestens vorbereitet.


Immopro24:
Wie genau funktioniert die Erstellung des Energieausweises in Ihrem Hause?

Peter Ruwe:
Unsere Kunden haben die Möglichkeit, uns die für die Erstellung erforderlichen Informationen entweder auf Papier oder online über das Internet zu vermitteln. Alle Aufträge landen dann bei unseren Mitarbeitern im Kompetenzteam im Service Center Leipzig. Diese nehmen umfangreiche Plausibilitätskontrollen vor, bevor ein Energieausweis erstellt wird. Sollten Rückfragen notwendig werden, wenden sich die Mitarbeiter direkt an den Auftraggeber. Ein Verfahren, das sich bewährt hat. Wenn alle Daten vollständig sind, bekommen unsere Kunden in der Regel innerhalb von 2 Wochen den Energieausweis zugeschickt. Mit 200.000 erstellten verbrauchsorientierten Energieausweisen sind wir in diesem Bereich Marktführer in Deutschland geworden.


Immopro24:
Sie sagen, dass Sie auch Bedarfsausweise anbieten. Wie ist da der Ablauf?

Peter Ruwe:
Nicht für alle Wohn- und Nichtwohngebäude ist stets ein kostengünstiger Verbrauchsausweis möglich. Um unseren Kunden jedoch für alle Objekte ihres Portfolios eine Lösung anbieten zu können, arbeiten wir sehr erfolgreich mit dem europaweit tätigen Energieberatungsunternehmen Cycle Systems zusammen. Wünschen unsere Kunden den Bedarfsausweis, so nimmt unser Partner direkt Kontakt auf und stimmt das weitere Verfahren ab.


Immopro24:
Sind weitere Dienstleistungen innerhalb des Segmentes Energiemanagement in Ihrem Hause geplant?

Peter Ruwe:
Der Energieausweis bedeutet für uns nur den Einstieg in dieses Segment. Dank unseres Funksystems verfügen wir über eine hervorragende Datenbasis, um ein professionelles Energiedatenmanagement zu ermöglichen. Durch ein Benchmarking mit anderen Liegenschaften aus dem eigenen Bestand sowie einen Vergleich zu regionalen Liegenschaften aus dem ista Bestand können Handlungsfelder aufgezeigt werden. Alle unsere Aktivitäten und Entwicklungen dienen letztlich einem Ziel: Wir wollen unsere Kunden bei der langfristigen Optimierung der Energieeffizienz ihrer Objekte unterstützen. Denn die energieeffiziente Bewirtschaftung des Bestandes hat immer größeren Einfluss auf dessen Wirtschaftlichkeit: Mieter werden künftig noch stärker als bisher auf die Energiekosten bei Anmietung oder Kauf einer Immobilie achten. Liegenschaften mit einem transparenten Energieverbrauch haben damit deutliche Wettbewerbsvorteile.


Immopro24:
Aus unserer Sicht ist der Wissensstand bei vielen Eigentümern von Gewerbeimmobilien im Bezug auf die Verpflichtungen zum Energieausweis eher schlecht. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Peter Ruwe:
Die Eigentümer von Gewerbeimmobilien müssen sich mit einer Vielzahl von gesetzlichen Veränderungen auseinandersetzen. Bei Verwaltern von Wohnimmobilien gehört der Energieausweis mittlerweile größtenteils zum Tagesgeschäft, bei gewerblich genutzten Objekten ist noch viel Aufklärungsarbeit erforderlich. Wir sehen es auch als unsere Aufgabe an, Eigentümer von Gewerbeobjekten für das Thema der Energieeffizienz zu sensibilisieren.


Immopro24:
Worauf sollte der Gebäudeeigentümer bei der Selektion des Energieausweisausstellers achten?

Peter Ruwe:
Derzeit kursieren Dumping-Angebote für verbrauchsorientierte Energieausweise von Wohngebäuden. Die online beauftragten Energieausweise einiger Billig-Anbieter bergen aber die Gefahr, unvollständig und somit nicht rechtssicher zu sein.
Problematisch ist auch, dass Billiganbieter den Ausweis in der Regel erstellen, ohne die gesetzlich vorgeschriebenen Plausibilitätskontrollen vorzunehmen. Etwaige Fehler bei den Angaben werden weder herausgefiltert noch beanstandet. Käufer solcher Energieausweise erhalten zudem keine Unterstützung beim Ausfüllen der erforderlichen Datenerhebungsbögen. Auf eine entsprechende Beratung sollte kein Kunde verzichten.


Immopro24:
Wie schätzen Sie die derzeitige Aufnahmebereitschaft des Marktes für die Thematik Energieausweise für Nichtwohngebäude ein?

Peter Ruwe:
Dass Energieeffizienz und nachhaltiges Bauen wichtig sind, hat sich mittlerweile überall herumgesprochen. Das zeigen die vielen Initiativen, die man unter dem Oberbegriff des Green Building beobachten kann. Insofern sehen wir den Markt als reif für den Energieausweis für Nichtwohngebäude an.


Immopro24:
Wie schätzen Sie die Wichtigkeit eines Energieausweises bei der Vermarktung von Gewerbeimmobilien ein?

Peter Ruwe:
Heute nimmt der Energieausweis sicherlich noch nicht den hohen Stellenwert ein, den sich die Schöpfer des Passes vorgestellt haben. Mittelfristig können wir aber davon ausgehen, dass ein guter Energiekennwert als Qualitätsmerkmal für Immobilien gelten wird. Gebäude mit einem niedrigen Energieverbrauch, also guten Kennwerten, werden besser vermarktbar und zu vermieten sein, als Objekte mit schlechten Kennwerten.


Immopro24:
Gemäß der Energieeinsparverordnung sollen die Kommunen eine Vorbildfunktion einnehmen und den Energieausweis bei öffentlichen Gebäuden im Eingangsbereich aushängen. Welche Resonanz spüren Sie hier?

Peter Ruwe:
Die Handhabung ist völlig unterschiedlich. Einige Kommunen sind sich ihrer Vorbildfunktion bewusst und haben schon Energieausweise für häufig besuchte öffentliche Gebäude erstellt und ausgehängt. Andere Städte sind eher zögerlich und warten noch ein wenig ab. Bis Mitte des Jahres werden jedoch alle nachziehen müssen.


Immopro24:
Vielen Dank, Herr Ruwe, für dieses Gespräch.

Peter Ruwe - CSO - ista Deutschland GmbH

Peter Ruwe
CSO
ista Deutschland GmbH

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News, 19.03.10

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